Die essbare Stadt

21.03.2017 | Manuela Zeller und Bastiaan Frich, Bild: Jan Chudozilov

In Europa leben über 70% der Menschen in Städten, 80% dieser Menschen kümmern sich nicht woher und unter welchen Bedingen die Lebensmittel produziert werden, Hauptsache sie sind billig. Dieses Verhalten hat zugleich tiefgreifende globale ausbeuterische Auswirkungen und zerstört die Lebensgrundlage. Die Schonzeit des Westens ist vorbei! Wir müssen die Komfort-Zone verlassen und lokal Verantwortung übernehmen. Dafür bedarf es einen innern Wandel der individuellen Haltung sowie alternative Modelle, die das alte lineare postmoderne Paradigma überflüssig machen.

Urbane Gärten sind eine Lösung für zwei dringende städtische Probleme. Sie sind ein Ort, an dem man einerseits etwas über Ernährung lernen kann und andererseits etwas über seine städtischen Mitmenschen. Über beides wissen wir tendenziell nicht genug. Wie auch, es gibt nicht viele Plätze, an denen man sich über Sprach- Generationen- und Milieugrenzen hinaus begegnen kann. Im Gemeinschaftsgarten schon. So hatte eine ältere, weisshaarige Stadtgärtnerin im Basler Gemeinschaftsgarten Landhof Freundschaft geschlossen mit einem Kind, das sie dann als Enkel quasi „adoptiert“ hatte. Eine gemeinsame Sprache, ähnliches Bildungsniveau oder gleiche Altersgruppe waren noch nie Voraussetzung, um gemeinsam, zu gärtnern, zu pflanzen, zu jäten, zu ernten, zu kochen, zu essen und letztendlich Freundschaften zu schliessen. So viel zum Thema Mitmenschen. Und als sich Johanna und Moritz im Gemeinschaftsgarten kennen lernen war es Liebe auf den ersten Blick. Seit 10 Jahren wohnen sie nebeneinander. Nur haben Sie nicht den selben Hauseingang und haben sich noch nie gesehen. Heute wohnen sie zusammen in einer Wohnung. Wohnraum verdichten auf integrale Art und Weise nennt sich das.

Aber im Garten kann man nicht nur Menschen, sondern auch Pflanzen und Tieren begegnen. Doch, auch das ist wichtig. Lebensmittelproduktion ist als eines der grössten globalen Probleme der Gegenwart in aller Munde. Das Thema lädt ein zum Mitdenken, Mitdiskutieren, Stellung beziehen. Im Garten zu arbeiten verändert die eigene Perspektive radikal. Zu spüren, wie viel Energie und Aufmerksamkeit notwendig ist, um nachhaltig Gemüse anzubauen, hat Einfluss darauf, wieviel uns (Bio-)Gemüse wert ist; sich um gesunden, lebendigen Boden zu kümmern, ändert das Verhältnis zu chemischen Düngemitteln; die Chriesi-Saison mit Leiter unter den Füssen und Chratten auf der Hüfte erleben ist nicht das gleiche wie eine Kirschenaktion im Supermarkt.

Und jetzt kommen jene Menschen ins Spiel, die Städte und Wohnraum gestalten. Denn städtische Gärten oder essbare Pflanzen in der Stadt sind nicht selbstverständlich. Das Bedürfnis nach Gärten und nach essbaren Pflanzen in der Stadt kann, bzw. muss schon vom ersten Planungsschritt an mitgedacht werden. Urban Agriculture Basel begeistert und begleitet Verwaltungsräte, Geschfätsleitungen, Siedlungsgenossenschaften, Bauherren, Private in ihren Prozessen direkt und vor Ort Verantwortung für die eigenen Lebensmittel zu übernehmen. So können Hochbeete in der Alterssiedlung entstehen oder Gemeinschaftsgärten in Wohngenossenschaften oder auf städtischen Brachen. So schliessen sich LiegenschaftsbewohnerInnen zu einem solidarschen Landwirtschaftsprojekt zusammen. So können im Parks Obstbäume gepflanzt werden, Rabatten mit essbaren Stauden bepflanzt werden oder …

 

Für eine essbare Stadt! Für eine globale Solidarität!

www.urbanagriculture.ch


Leave a Reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.